Wie es ist, hart zu arbeiten, aber keinen Existenzlohn zu verdienen: Drei Textil-ArbeiterInnen berichten aus ihrem Alltag.
Krishanthi aus Sri Lanka
Ich heisse Krishanthi. Seit sechs Jahren arbeite ich in der Freihandelszone Katunayake in Sri Lanka. Nachtschichten, da verdiene ich am meisten. Wir arbeiten 12-14 Stunden pro Tag, auch sonntags und an Feiertagen. Egal wie viele Überstunden ich mache, am Ende des Monats erhalte ich etwa 12‘000 Rupien (CHF 120). Die Hälfte schicke ich meiner Familie, die ohne meine Unterstützung nicht leben könnte. Das, was übrigbleibt, reicht knapp für Miete und einfache Mahlzeiten. Ich bin seit zwei Jahren verheiratet und wurde immer noch nicht schwanger. Die Ärzte sagen, ich solle mich ausruhen und ausgewogen ernähren, aber das kann ich mir nicht leisten.
Liuxia aus China
Mein Name ist Liuxia. Seit ich 17 bin, arbeite ich in Kleiderfabriken in Guangzhou, China. Jetzt bin ich 30, mein 9-jähriger Sohn lebt bei meinen Schwiegereltern in einer anderen Provinz. Offiziell arbeiten wir montags bis samstags von 8-17 Uhr, aber oft müssen wir Überstunden leisten, dann arbeite ich bis 22 Uhr weiter. Bezahlte Ferien gibt es nicht. Ich habe chronische Rückenschmerzen, aber wenn wir krank sind, erhalten wir keinen Lohn. Von meinem Einkommen können wir nur die täglichen Ausgaben decken, wir essen Reis und den billigsten Fisch. Den Lohn meines Mannes brauchen wir für meine Schwiegereltern und die Ausbildung unseres Sohnes.
Neelam aus Indien
Ich bin Neelam, 40 Jahre, verheiratet und habe fünf Kinder. Zu siebt leben wir in einem kleinen Zimmer. WC und Bad teilen wir mit 20 anderen Familien. Seit ich 14 bin arbeite ich in der Kleiderindustrie. Zunächst habe ich mich drei Jahre als Gelegenheitsarbeiterin durchgeschlagen. So musste mein Arbeitgeber keine Sozialabgaben zahlen. Danach wurde ich fest angestellt. Kurz vor Ende des fünften Jahres wurde mir aber widerrechtlich gekündigt. Nach fünf Jahren beim gleichen Arbeitgeber hat man Anrecht auf einen Bonus, den wollten sie nicht bezahlen. Jetzt muss ich als Hilfskraft in einer kleinen Fabrik arbeiten. Ich erhalte nur den gesetzlichen Minimallohn von 3840 Rupien (CHF 94), das reicht noch nicht mal für unser Essen.
Wie kann diese unhaltbare Situation geändert werden? Das Asian Floor Wage-Modell liefert einen wertvollen Lösungsansatz. Sie haben berechnet, wie hoch ein Lohn sein muss, damit er existenzsichernd ist, also zu einem Existenzlohn wird.
Hier findest Du eine Grafik, die zeigt, wie wenig mehr es pro Kleidungsstück braucht, damit die NäherInnen einen Existenzlohn verdienen.