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Die Textilarbeiterin Mirza wäscht draussen ihre Kleidung. Delhi, Indien.
Die Textilarbeiterin Mirza wäscht draussen ihre Kleidung. Delhi, Indien.

Mit dem gesetzlichen Mindestlohn, den eine Arbeiterin in den Kleiderfabriken in Asien oder Lateinamerika während eines normalen Arbeitstages verdient, kann keine Familie ein würdiges Leben führen.


Oft sind es weniger als 2 Dollar pro Tag, die die Mutter aus der Fabrik nach Hause bringt. Essen, Miete, Kleider, Medikamente und Schulgelder für die Kinder – für alles zusammen reicht das nicht. In Bangladesch etwa müsste eine Arbeiterin 52 Stunden schuften, um über die Runden zu kommen. Nicht pro Woche, sondern pro Tag! Die Regierung hat nun eine Lohnerhöhung um 80% in Aussicht gestellt - doch selbst dann müssten die Näherinnen noch immer 29 Stunden täglich schuften! Und vielfach wird noch nicht mal dieser Mindestlohn bezahlt. Die Leute haben so nie eine Chance, der Armut zu entkommen.

 

Dazu kommen die vielen Überstunden. Nicht selten fordern die Chefs 12, 14 oder gar mehr Stunden pro Tag, und das mindestens 6 Tage die Woche. Aber selbst wenn sie nicht direkt dazu gezwungen werden, schuften die Angestellten von frühmorgens bis spät in die Nacht. Der normale Lohn reicht nicht aus. Erst die Lohnzuschläge aus den unzähligen Überstunden machen das Überleben der Familie möglich. Zeit für die Kinder bleibt da kaum. Darum bleiben die Kinder oft bei Verwandten in der Provinz, wenn Mutter und Vater in die Stadt ziehen, um in den Fabriken Geld zu verdienen. Sie sehen ihre Eltern dann nur wenige Male pro Jahr.

 

Die Folgen von Hungerlöhnen und exzessiven Überstunden: Mangelhafte Ernährung, schlechte Bildung für die Kinder, Schulden, und eine kaputte  Gesundheit. Die lange Arbeit in den überfüllten Fabriken mit schlechter Lüftung und Beleuchtung, Staub und Chemikalien macht die Menschen krank. Ständig übermüdet, können die ArbeiterInnen irgendwann nicht mehr mit dem geforderten Tempo Schritt halten.

 

Wenn Arbeitsunfälle passieren, dann verlieren sie vielfach die Stelle, allzu oft ohne Entschädigung oder Krankenversicherung, und ohne Perspektive für sich und die Familie. Aber wenn sich ArbeiterInnen in Gewerkschaften zusammenschliessen und ihre Rechte einfordern wollen, werden sie oft eingeschüchtert oder entlassen. Man schätzt, dass weltweit in den Textilfabriken weniger als 10% der ArbeiterInnen in Gewerkschaften organisiert sind. ArbeiterInnen, die einfach arbeiten und sich nicht wehren, sind für die Fabriken und Markenlabels eben praktischer im Handling.

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