Die Staaten, in denen unsere Kleider hergestellt werden, stehen in einem harten Konkurrenzkampf zueinander.
Die lokale Industrie ist zu einem grossen Teil von den Investitionen reicher Länder abhängig. Um möglichst viele ausländische Unternehmen anzulocken, gestalten die Regierungen ihre nationalen Arbeitsgesetze vor allem so, dass der sog. „Standort“ für die Investoren interessant ist.
Um den Standort also interessant zu machen, werden zum Beispiel Einschränkungen oder gar Verbote von Gewerkschaften durchgesetzt. Im Interesse eines günstigen Investitionsklimas legen die Staaten auch die gesetzlichen Mindestlöhne fest, oft liegen sie sogar unter der Armutsgrenze. In Indien, Sri Lanka, Kambodscha, China und Indonesien liegt der Lohn beispielsweise bei durchschnittlich 2 Dollar pro Tag.
Ein weiteres Problem ist, dass der Mindestlohn oft über Jahre hinweg gleich hoch bleibt. Es gibt nicht immer einen Teuerungsausgleich der Löhne, so wie bei uns. Bangladesch liess den Mindestlohn zum Beispiel von 1994 bis 2006 unverändert – trotz durchschnittlich 4-5% Inflation (=Teuerung) pro Jahr. Das heisst: Alles wurde teurer, Miete, Arzt, Essen – aber der Lohn blieb gleich, die Menschen wurden also noch ärmer. Selbst die 2006 erfolgte Anpassung ist schon wieder hinfällig, weil sich heute die Preise für Reis zum Teil verdoppelt oder verdreifacht haben. Seit Januar 2010 sind erneut tausende ArbeiterInnen auf den Strasse und protestieren gegen Hungerlöhne. Die Regierung hat nun eine Lohnerhöhung von 1662.50 Taka auf 3000 Taka in Aussicht gestellt. Doch das ist viel zu wenig, die Gewerkschaften haben berechnet, dass ein existensichernder Lohn bei 10`754 Taka liegt.
So überlassen die Regierungen die ArbeiterInnen ihrem Schicksal, statt Verantwortung für ihre BürgerInnen zu übernehmen. Lieber hofieren sie ausländische Unternehmen. Diese bringen zwar Geld und Arbeitsplätze ins Land, dies jedoch oft zu menschenverachtenden Bedingungen.